Chimborazo

 

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Der Chimborazo ist mit 6310 m der höchste Berg Ecuadors und, wie alle Bergbücher betonen, da er nahe des Äquators liegt, nächster Punkt der Erde zur Sonne hin. Gleitschirm-Flüge vom Gipfel sind bereits gemacht worden. Tour zum Chimborazo Mitte Juli 2003. Umrundung, Besteigung und Gleitschirmflug von 5100 m unterhalb des Gletschers, Flug zur Hochebene (4700 m) hinunter. Angenehmer Startplatz auf Erhebung vor dem Gletscher direkt oberhalb der Hütte. Genügend Landemöglichkeiten aber Windbedingungen anspruchsvoll. Flug im Windschatten des Berges daher kurz.

Der Name des Bergs aus dem Quechua: Chimborazo razo, rasu = Schnee und chimbo höchstwahrscheinlich von chimbana = überqueren, der drei oftmals schneebedeckten Pässe wegen, die den Berg umgeben (topografische Ecuador-Karte).

 

Annäherung an den Berg. Lamas, Alpakas, und Schafe in der Hochebene nordwestlich des Chimborazo.

Von der Passstrasse zwischen Ambato und Guaranda führt ein schöner kleiner Spazierweg zwischen Carihuairazo (Cari = Mann, huaira = Wind, rasu = Schnee (quetch.) und Chimborazo hindurch in das Tal von Riobamba hinab. Eine sanfte Annäherung an diesen majestätischen riesigen Eisklotz. Die Indios hier wohnen zum Grossteil noch in den traditionellen, kleinen Ichu-Gras Hütten. Ein hartes, armes Leben. Hier ist die Schlechtwetterseite des Berges. Viel Nebel, viel Regen und Schnee, der Mittags wieder wegtaut und einen Morast zurücklässt.

 

Zu Fuss halber um den Berg herum, um seine vielen Gesichter kennenzulernen. Deutlich sichtbar, wie der Wind die Wolkendecke von Norden gegen den Chimborazo schiebt, was zu dem feuchten, windigen Klima nördlich des Berges führt. Die südliche Seite hingegen, gut abgeschirmt durch den Berg, ist, obgleich nur wenige km entfernt, wüstenhaft trocken. Beim Flug Richtung Süden muss beachtet werden, dass die nördlichen Winde beidseitig am Vulkankegel vorbeiziehen, sich in der Hochebene wiedertreffen und dort heftige Turbulenzen verursachen. Selbst wenn es an der Hütte, in der Windschattenseite des Berges gelegen, ruhig ist, kann es weiter unten heftige Luftbewegungen geben.

 

Wenn der Wind die Wolken bis über den Gipfel hinaus nach Süden und die Berghänge wieder hinab treibt, sieht der Chimborazo aus, wie in Zuckerguss getaucht. Unangenehme Zeit für Besteigungen bei Winden über 200 km/h, aber das kann sich in wenigen Stunden gleich wieder ändern. In dieser Ansicht ist das linke Drittel der Berg-Silhouette die Aufstiegsseite. Man sieht, wie diese trotz des Gipfelsturms weitgehend geschützt liegt.

 

Vikuñas auf einem der wenigen grünen Flecken in der südlichen Hochebene um den Chimborazo. Ein Geschenk der chilenischen Regierung, deren Hege und Pflege der Staat Ecuador überwacht und teuer bezahlt. Es ist die einzige Gegend Ecuadors, wo sie noch verweilen. Man sagt, der einzige der Inkas, der Hemden aus Vikuñawolle tragen durfte, war der Inkaherrscher selbst. Jeden Tag ein neues, kunstvoll gewebtes, das alte wurde jeweils verbrannt. Auf dem Gleitschirmweg nach unten, flog ich dicht über die Herde dieser grazilen Geschöpfe hinweg und alle drehten die Köpfchen mit ihren Blumenaugen hinauf, mir nach.

 

Weitere Annäherung. Auf dem oberen Bild ist der charakteristische Doppelgipfel des Chimborazo gut erkennbar. Unteres Bild: Die Whymper-Hütte, das Refugium, benannt nach dem Erstbesteiger, liegt nicht sichtbar in der Senke geradeaus. Links davon, unterhalb des Gletschers, der spätere Startplatz für den kurzen Flug zurück in Richtung Strasse. Rechts am Ende des Felsausläufers die Whympernadeln, schöner Kletter-Punkt zum Gewöhnen an die Höhe und Betrachten der Sonnenuntergänge. Hierher führte die Route der Erstbesteiger. Unsere, die derzeit normale Aufstiegsroute führt unterhalb der Felsen links (Castillo) auf den Gletscher, von dort in ein paar Windungen zur linken Flanke und dann immer geradeaus.

Der Punkt unterhalb des Castillos, wo die Gletscherausrüstung angelegt wird, ist Morgens, zwischen acht und zehn auf dem Rückweg arg Steinschlag gefährdet.

 

Kurz vor Sonnenaufgang mit Rafael auf dem Gipfel (Veintimilla). Aufstiegsbeginn 1:00 Uhr, Gipfel 6:00 Uhr. Nur noch Cotopaxi, (Mitte) und die Illinizas, (links) haben im Norden die Nase weit genug oben, um Luft oberhalb der Wolkendecke zu schnappen.

 

Sonnenaufgang auf dem Chimborazo.

 

Der gewaltige, nach Westen geworfene Schatten. So schön kegelförmig sieht der Chimborazo von unten gar nicht aus, aber die Sonne weiss es besser: Selbst ein zylinderförmiger Berg würde einen solchen schönen Kegelschatten werfen. Es ist nicht so sehr die Form des Berges die hier abgebildet wird, als vielmehr die perspektivische Verjüngung (das Aufeinanderzulaufen) der parallelen Sonnenstrahlen bei großer Entfernung. Die Schattenform entsteht also mehr durch die Weite der Sicht kurz nach Sonnenaufgang, durch das Treffen der auf den Nebel projezierten Sonnenstrahlen im Fluchtpunkt, als durch die eigentlichen Form des Schattenerzeugers. Für A.v.Humboldt war die (unvollständige) Besteigung dieses Berges einer der Höhepunkte seiner Reise.

 

Rafael (Baños, Kontakt henri@aeropasion.net) auf dem Gipfel des Chimborazo.

 

Zurück im Leben. Markt in Guaranda, südwestlich des Berges am warmen Westabhang der Anden gelegen.

 

 

 

----------------------------------------------- Mit dem Gleitschirm über den Inka-Straßen -----------------------------------------------