Hilfreiche emails:
Enrique Castro, escuela Pichincha in Quito: parapent@uio.satnet.net
Juan Carrasco, escuela Pichincha in Quito: juanc@uio.satnet.net
Henry Leduc, Aero Pasión in Quito henri@aeropasion.net
Puengasi (Fotos Kai Laufen)
Da hier in den Morgenstunden ab 10 Uhr immer eine verlässliche Thermik herrscht, kommen die Flieger Quitos jedes Wochenende hierher. Unter der Woche eher ruhig. Man schwebt nach Abheben im Aufwind dann 200 m über der Südstadt im Rücken des Betrachters und kann einen kleinen Teil Quitos absegeln. Flüge von drei Stunden oder mehr sind kein Problem, wohl aber, sich von der 1-2 km langen Kante wegzubewegen. Der Hügel im Blickfeld ist der ehemalige Vulkan Ilalo, nur ca. 5 km entfernt, aber schier unerreichbar. Zum einen thermisch bedingt, zum anderen liegt er genau in der Einflugschneise der Jumbos auf dem Weg zum Flughafen. Kenne daher niemanden, der sich rübergewagt hätte. Streckenflüge Seltenheit. Toplanden möglich, aber nicht ganz einfach, der Landeplatz ist auf einer Seite durch Bäume, auf einer anderen durch elektrische Leitungen und die Stadtautobahn begrenzt und auf der anderen Strassenseite verläuft eine Hochspannungsleitung, mit der es bereits Unfälle gegeben hat. Wie so oft eine Frage des Ehrgeizes, da man nach den bequemeren Landungen im Tal Bus oder Taxi benötigt, um wieder hochzukommen.
Blick auf den Pichincha, der Hausvulkan der Stadt.
Unsere motorisierten Kollegen kommen uns ziemlich nahe hier. Sein höchster Gipfel (nicht sichtbar von Quito aus) ist mit 4780 m der Guagua Pichincha, ein immernoch aktiver, deutlich rauchender Krater. Der letzte grosse, alle Einwohner schockierende Ausbruch war 1999.
Der Startplatz für Flieger liegt weit unterhalb des Gipfels auf 4000 m, nahe eines Antennenfeldes (auf dem Foto das Gebiet oberhalb des Cockpits). Oben starten gerade ein paar Gleitschirmler, im Foto aber kaum zu erkennen. Ebenfalls nicht zu erkennen ist, dass in dem Augenblick, wo ich fotografiere und meine Freunde beobachte, jemand hinter mir vorbeischleichend mit einem Rasiermesser meinen Rucksack samt Gleitschirm aufschlitzt. Drehe mich sofort um (in Südamerika verlängern sich die Rückenmarksnerven und wachsen in den Rucksack hinein), niemand auffälliges in der Nähe, nur unschuldige Passanten, aber der Schnitt ist unübersehbar.
Blick hinab auf Quito vom Startplatz am Pichincha auf 4000 m.
Man sieht die nördliche Hälfte der Stadt. Es sind etwas mehr als 1000 Höhenmeter bis zum Landeplatz im Stadtpark Altamira. Start leicht, mit viel Platz im weichen Ichu-Gras. Selbst wenn überregional starker Südostwind herrscht, bildet sich im Hochtal von Quito nachmittags meist ein mässiger Nordwind (ist z.B. am Wechsel der Start-, Landerichtung der Jumbos vom Flughafen zu erkennen). Das muss man beim Landeanflug im dichtbesiedelten Quito beachten. Habe aber bei normalem Wetter im Hochtal keine stärkeren.Winde als 25 km/h gemessen.
Dreimal waren wir oben, alle drei Male nicht ohne irgendeine Art von Regen. Der Aufstieg das erste Mal ganz zu Fuss, das zweite Mal mit Hilfe von Ingenieuren, die an den Antennen arbeiteten und das dritte Mal mit ein paar Tandemfliegern, die Touristen als Passagiere hochbrachten. Das eine Problem beim Hochkommen ist, dass das Gebiet unterhalb von 4000 m Privatbesitz ist, und Flieger ohne Extraberechtigung auch zu Fuss nicht frei passieren dürfen. Ein anderes Problem sind die berüchtigten Überfälle ausserhalb der Stadt. Von denen wurden wir leider verschont. Die meisten finden in einem anderen Gebiet, auf dem Weg, zu einem südlicheren Ausläufer des Pichincha statt. Dennoch war selbst Jorgito als Ureinwohner nie gänzlich ruhiger Dinge.
Alle Flüge vom Pichincha, von denen ich
weiss sind ca. halbstündige Abwärtsflüge, manchmal mit Thermik, manchmal mit
unerwartetetem Regen. Unseren letzten Regenflug beendeten wir mit einem gemeinsamen Feuer im Park.
FAQ: 1) Ja, man wird nass beim Fliegen im Regen, auch wenn der Schirm über einem schwebt.
2) Nein, die Schirme haben wir nicht über dem Feuer getrocknet.
All diesem zum Trotz ist es ein grandioses Gefühl, eine Weile über der Millionenstadt
und gleichzeitigem Weltkulturerbe zu schweben.
Blick vom Atacazo herunter auf den Süden Quitos.
Der Atacazo ist der zweite Vulkan, der Quitos Stadtfläche begrenzt. Nicht mehr aktiv im Gegensatz zu seinem nördlichen Bruder, aber genau wie der Pichincha unterhalb des Gipfels mit Antennen bepflastert. Daher gibt es gute Wege auf ihn hinauf. Sehr hübsch ist der Aufstieg von Chillogallo vom Norden her an der Westseite entlang, mit Blick den Westabhang der Anden hinunter. Vor beiden Flügen Ende Juli leichter Regen oberhalb 4000 m, bei gleichzeitiger Trockenheit in der Stadt. Die Regenzeit ist im Juli längst vorrüber, aber die Vulkangipfel haben immer ihr eigenes Wetter. Daher langes Warten mit dem Schirm in einem Unterschlupf, den sich Campesinos für die Ernte gebaut haben.
Bald naht die Nacht...
Kurz vor sechs, endlich trocken und eine Startwiese gefunden. Ein freudig unruhiges Pferd tänzelt ständig um meinen Gleitschirm herum. In Äquatornähe ist das Dunkelwerden eine Sache von Minuten. Das sind gerade die Minuten, die ich zum Richten meines Gurtzeugs und zum Leinensortieren benötige. Als ich startbereit dastehe, ist die Stadt vor mir bereits in Dunkelheit getaucht.
Nachtflug über Quito.
"Die ganze Erde war übersponnen von Lichtergrüssen, jedes Haus zündete seinen Stern an vor der
unendlichen Nacht" (Saint-Exupéry, vol de nuit)
Über der Stadt leichte Aufwinde, die ein geruhsames Kreisen
ohne Höhenänderung ermöglichen.
Das helle Teil rechts im Bild ist die blitzerleuchtete Aufhängung des Gurtzeug-Karabiners.
Landung auf einer kleinen unbebauten Fläche im Stadtteil Cutuglagua in totaler Dunkelheit.
Weitere nahe Flugmöglichkeiten:
1) Im Norden von Quito Loma Casitagua, ca 3500 m.
2) Am Pululahua 15 km nördlich von Quito, von 2500 Fussweg auf den Kratergipfel Sincholagua auf 3350 (nicht zu verwechseln mit dem
Felsvulkan gegenüber vom Cotopaxi), Flug nach San Antonio.
3) Der einzige Gleitschirm-Flug vom Pasachoa, südöstlich von Quito, von dem ich weiss, endete mit einem
heftigen Unfall (Wirbelsäulenschaden). Ursache: Unerwartete starke Windbö direkt nach Start.
4) Projekt: Über Quitos Süden nach Lloa, 1700 m Aufstieg (oder teure Fahrt) zum Guagua-Pichincha, dem Hauptgipfel. Flug nach Süden
zurück nach Lloa, oder über die Pichincha-Hochebene Richtung Quito.
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