Flüge im Santa-Tal

 

grafik_chavin Das Tal des Flusses Santa in der Region Ancash ist berühmt für die alten Recuay-Kulturen (50 v.Chr.-450 n.Chr.) und mehr noch für die angrenzenden Schneeriesen der Cordillera Blanca. Östlich und westlich dieses Gebirgszuges zog je ein Arm der alten Inkastraße. entlang, das Santa-Tal und das Mosna-Tal hinauf. Beide waren verbunden durch eine Querstraße über einen Pass bei Chavin, der ältesten Kultur dieser Region.

Obwohl im Gegensatz zu früheren Jahren Flüge im Tal des Río Santa heute eher selten sind, haben doch viele peruanische Piloten und viele Flieger aus Europa wie Manu Ponte, Eugen Stiebritz, Franz Schilter, Peter Rummel hier ihre Spuren hinterlassen. Beste Adresse vor Ort die ich kenne: Beto Sotelo in Huaraz (monttrek@terra.com.pe). monttrek@terra.com.pe.

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Mein Lieblings-Dorf im Santatal war Caraz. Schön klein, sehr freundliche Leute, la Suiza peruana und noch viel Indio-Tradition. Von hier aus gibt es einige leicht erreichbare Startplätze. Drei davon:

1) Cerro Pan de Azucar (genaugenommen der höhere Nachbarhügel davon) 3040 m bei Yungay am Fuss der Cordillera Blanca. Per Bus zur Tankstelle San Antonio, von dort 1.5 Stunden zu Fuß, gibt auch einen Fahrweg hintenherum. Der Startplatz wird nicht gepflegt, d.h. ist mit Stachelgewächsen übersät, die man eventuell vorher entfernen muss. Eine frühe Thermik von Südost setzt gegen neun Uhr ein, kann zum Start Richtung Yungay verwendet werden. Die Hauptthermik kommt gegen zehn von Nordwest, eine Mischung aus dem einsetzenden Talwind und dem Sog der Schneeriesen der Cordillera Blanca. Landung auf einem der Felder nahe der Strasse bei Yungay bei ca 2400 m.

2) Yanairca oder Yanaicu, ein hügeliger Ausläufer der Cordillera Negra beim Dorf Pueblo Libre/Caraz. Regelmässiger Bus ab Caraz nach Pueblo Libre, von dort 2 Stunden zu Fuss auf 3250 m (es gibt auch vereinzelte Busse die weiter hoch, über einen Pass fahren). Aufstieg zwar sehr stachelig, aber oben gibt es viele bearbeitete Felder, es sollte immer ein freies, angenehm zum Starten zu finden sein. Der erste Felsvorsprung hat ein Kreuz.

3) Chakaypunta oder Huinchus, ein Pass mit Starthügel bei einem Feld von Puya Raimondi- Pflanzen am Gipfelkamm der Cordillera Negra in der Nähe von Caraz. Zweimal am Tag Bus Richtung Pamparomas zum Pass, von dort ein paar Meter zu Fuss auf einen Hügel von 4400 m, Nach elf Uhr setzen Seewind vom nahen Ozean und der thermische Sog der Cordillera Blanca ein, die über den Gipfelkamm der Cordillera Negra hinweg der Osthang-Thermik entgegen talabwärts blasen, zu spät zum Start. Ich übernachtete öfters oben, was einem ein schönes abentliches Gipfelpanorama der Cordillera Blanca beschert.

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Startzeit an allen drei Orten morgens zwischen zehn und elf Uhr. Streckenflüge nach Huaraz (30 km) wurden gemacht, ich versuchte es einige Male, verlor aber entweder thermisch den Anschluss oder konnte umgekehrt mit den brachialen Aufwinden an manchen Stellen nicht mehr umgehen. Ab elf setzt ein immer stärker werdender Talwind ein, der regelmässig 30 km/h und mehr erreicht. Man braucht also genügend freien Platz zum Landen, um Turbulenzen durch Hindernisse in Bodennähe zu vermeiden.

 

 

Abendpanorama der Cordillera Blanca am Schlafplatz bei Chakaypunta am Gipfelkamm der Cordillera Negra auf 4400 m.

Die prominentesten Gipfel der Cordillera Blanca zeigen sich: Leicht links der Mitte die Pyramide des Nevado Sta. Cruz (6259 m, die den berühmten, kleineren Alpamayo verdeckt), ein wenig rechts der Bildmitte, die Spitzen des Nevado Huyandoy (6350 m) und noch weiter rechts, der riesige Doppelgipfel des Huascaran (6770 m).
Nachttemperatur Ende September -6 Grad.

 

Schöne, stachelige Angelegenheiten in meinem Schlafzimmer am Startplatz von Chakaypunta auf 4400 m.

 

Schlaf- und Startplatz bei Chakaypunta am Morgen. Rechts unten eine der vielen Puya Raimondi hier, benannt nach dem Geographen Antonio Raimondi, mit fünf bis zwölf Meter Höhe die größte Blüte der Welt. Sie blüht nur einmal und nie wieder am Ende ihres 24 Jahre währenden Lebens.

 

Blick talaufwärts. Genau in der Bildmitte, etwas vernebelt im Hintergrund, ein kleiner, äusserst regelmässiger Kegel: der Pan de Azucar, der 200 Meter höhere Hügel links davon, also die vorderste Erhebung rechts von der gelben Beschleunigerleine von mir ist der Startplatz. Rechts gegenüber auf der anderen Talseite, der Ausläufer der Cordillera Negra ist der Yanairca, eine weitere Startmöglichkeit.

 

Gipfelpanorama beim Flug Links der Huandoy (6350 m) rechts hinter den Leinen der Huascaran, mit 6770 m der höchste Berg Perus.

 

Flug über Caraz, Landung im Stadion.

 

Eines anderen Fluges Ende: Pueblo Libre International Airport. You never walk alone.

 

Versuchter Streckenflug Richtung Huaraz, Zwischenlandemöglichkeiten gibt es genug...

 

Caraz

grafik_chavin Aus dem Tagebuch;
"Nach einem Flug, wohlbehalten heimkehrend, mit einem Quetchua Büchlein unter dem Arm, finde ich eine sterbende alte Frau auf meiner Türschwelle, im Innenhof der Hostel. Warum gerade dort? Was tun? Drüberhüpfen, Türzuschlagen und im Bett Schokolade essen? Drum herum fünf arm aussehende Quetchua sprechende Campesinos. Auf meine unbeholfenen Fragen, ob ich helfen könne, nur ausweichende Blicke. Campesinos sind fern von ihrem Herd meist nicht sehr zugänglich. Sie scheinen spanisch kaum zu verstehen. Mein Quetchua-Gestammel hilft nicht viel, sie schauen nur stumm auf die in Decken gehüllte Sterbende. Warten auf den Tod. "Das geduldigste Volk der Welt" (Enrique Lopez Albujar) Endlich taucht ein sechster auf, etwas offener, spricht spanisch und auch vor allem mit mir. Er hat gerade im Hospital Auskunft geholt. Dort kennen sie den Fall bereits. Eine Operation kommt nicht mehr in Frage, großer Tumor im Unterleib, aber sie kann ihre letzten Tage dort bleiben. Wir tragen sie alle zusammen in der Decke zu einem Taxi und ich bezahle die Fähre zum Hospital. Dann bleibe ich mit meinen hässlichen Gedanken zurück "Problem gelöst, billig davongekommen".

Man kann auch in Armut gut leben in diesem Land, aber krank, nein, krank darf man als Armer nicht werden...

Und was ist meine Rolle hier? Die bunten Trachten der Indios bewundern und mich davonstehlen, sobald die ersten wirklichen Probleme auftauchen?

Wenig später treffe ich in einem Restaurant einen peruanischen Freund. Sein Töchterlein erscheint mit einem Mathebuch unterm Arm, und wir pauken bis spät in die Nacht ickse und ypsilons. Sie lässt sich auch durch meinen gelegentlichen Ärger ihr Lachen nicht vertreiben und lernt sehr schnell sehr viel Mathe ... damit werden die Gedanken wieder lichter."

 

Weiter ging es mit der Querung der Cordillera Blanca, mit Flug zum Tempel von Chavin.

 

-----------------------------------------------Mit dem Gleitschirm über den Inka-Straßen-----------------------------------------------