Das Huancabamba-Tal hinab (ohne Flug)

 

grafik_inca grafik_inca Im Versuch, weiter dem spanischen Eroberungsweg und dem Weg A. v. Humboldts zu folgen ging es weiter flussabwärts. Es gab nur eine Flugmöglichkeit entlang des Weges, aber wegen der unübersichtlichen Bedingungen wagte ich keinen Start. Mein urpsrüngliches Vorhaben, das Tal abzufliegen, hatte ich wegen der mir zu anspruchsvollen thermischen Bedingungen bereits in Huancabamba aufgegeben. Rein von der Stärke der Thermik her, wäre es gewiss gut möglich gewesen. Wieder ein Gelände, in dem nur selten Fremde spazieren gehen, aber ein wunderschönes Flusstal mit sehr freundlichen Bewohnern.

 

 

Hinter Sondrillo wird der Fluss so canyonartig eng, dass man für gewöhnlich einen Umweg über das 2440 m hoch gelegene Chirimoyo (chiri = kalt, mayo = Fluss oder muyu = Kugel) nimmt. Danach geht es wieder ins Flusstal auf 1500 m hinab. Hier der Blick vom Pass. Fliegen oder Nicht-Fliegen, das ist hier die Frage...

A. v. Humboldt: "Da die alte prachtvolle Inkastraße, ohne Flussübergänge an den Felsen geschmiegt, nicht erhalten ist, muss man heute siebenundzwanzigmal über den Rio Huancabamba setzen, jedes mal unter Gefahr. Der Fluss ist dreißig bis vierzig Meter breit, und wenn er steigt, hilft nur Schwimmen."

 

Unten im heißen Flusstal wunderschöne Bromelien, schmarotzende kleine Pflanzen die sich in größeren Wirtspflanzen, wie hier eine Kaktee, festsetzen. Abseits des Flusses ist es wüstenartig trocken.

 

Immer wieder Umwege um den mäandernden Fluss herum. Bei einem Versuch durch den Fluss zu waten, riss er mich mitsamt Gleitschirmrucksack fort und alles wurde einmal gründlich gewaschen.
An jeder grüneren Ecke des Flusses eine vereinzelt gelegene Charca, ein Gärtchen, wo Bananen, Zuckerrohr oder Limonen angebaut werden. Mais oder Kartoffeln gedeihen besser 800 m weiter oben an den Hängen. Siedlungen oben und unten treiben das ganze Jahr über einen regen Tauschhandel über die steilen, mühseligen Pfade.

 

Gut getarnt. Wieviele Esel sind auf diesem Bild?

 

Das letzte Mal den Fluss gequert. Der Junge der mir die Stelle zeigt bekommt ein Buch geschenkt. Ich bin wirklich verblüfft über die Wirkung. Er ist absolut begeistert und setzt sich gleich hin, drüben, am anderen Flussufer, um zu lesen.

Hier in Sulaca/Polvasa beginnt der Fahrweg flussabwärts, der zur Straße Chiclayo-Chachapoyas führt. Um Mitternacht, so sagen die Dorfbewohner, soll der LKW kommen und wieder zurückfahren.

Aus dem Tagebuch:

"Zum letzten Mal am abend Reis mit Hühnerbrühe kochen, dann wirklich pünktlich um Mitternacht kommen zwei vollgeladene Lastwagen, die alle die Dinge, die von der Stadt Chiclayo hierher gebracht werden müssen, enthalten, unter anderem säckeweise Kunstdünger (dafür werden die Früchte dort nicht gespritzt, essbare Orangen- und Bananenschalen...).

In dicke Decken eingehüllt setzen sich die angekommenen Campsinos und ihre Frauen neben ihr neues Hab und Gut und warten auf das Morgengrauen, wo sie es mit Maultieren zu ihren Lehmhäusern bringen werden. Ich bin daher bei der Rückfahrt zunächst der einzige Fahrgast auf dem Lastwagen. Habe die Ladefläche von ca 2.5 x 6 m mit hohen Seitenwänden für mich allein. Auf halber Höhe sind Bretter quergelegt, darunter ist Stroh für Tiere die eventuell zusteigen. Ein behaglicher, komfortabler Ort, um im warmen Flusstal die vorbeiziehende Nacht vom fahrenden Lastwagen aus zu betrachten.

Dann darf ich nach einigen km helfen 12 schwere Kohlesäcke aufzuladen, die zum Markt sollen. Im nächsten Dorf steigen die ersten Campesinofrauen mit ihren Bündeln und Kindern auf dem Rücken zu, dann ein Junge mit zwei Schafen, drei Ziegen und einem Schwein, dann mehr und mehr Campesinos mit Waren für den Markt. Als nächstes kommt ein Campesino mit neun (!) Schweinen, dann einer mit diversem Geflügel. Allmählich wird es enger. Zwei Ziegen, die über die Laderampe nicht mehr hineinpassen, werden kurzerhand an ihren Hörnern die 2.5 m über die Seitenwände gehieft und von oben zwischen den quiekenden Schweinen verstaut. Bei jedem Halt locken die hellen Scheinwerfer tausende von Insekten an, die wiederum Scharen von Fledermäusen mit sich bringen. Es ist wie im Wunderland.

Als ich denke, jetzt ist es so langsam genug mit Immigration, das Boot ist voll, wird plötzlich (es ist drei Uhr morgens und alle im Halbschlaf) die hintere Ladeluke aufgerissen, alle Bündel nach vorn geworfen, die Mitfahrer zusammengedrängt, die Kohlensäcke neu geschichtet, bis das hintere Drittel gänzlich frei ist.

Hinzu steigt: Ein kräftiger, schwarzer Jungstier mit langen Hörnern. Da er sich in ungewohnter Umgebung wiederfindet, beginnt er gleich, sie auseinanderzunehmen. Einmal macht er einen halben Satz über den Wall aus Kohlesäcken hinweg und alles flüchtet erschrocken ins hintere Eck des Lastwagens. Da er jedoch an den Hörnern festgebunden ist, verrenkt er sich nur selber den Hals dabei und alle hoffen, dass das Hanfseil hält....

Nach sechs Stunden Fahrt, zur Zeit der Morgendämmerung in Pucara (= Festung quetch.) am Ende des Huancabamba-Tales springe ich ab und mit einem riesigen Umweg geht es weiter nach Chachapoyas, zum Flug über den Nebelwald.

Lieber wäre ich der alten Spanierroute direkt nach Cajamarca gefolgt, wo die entscheidende Schlacht, oder vielmehr das Gemetzel zwischen Inkas und Spaniern stattfand, aber da gibt es keinen direkten fahrbaren Weg mehr. Manche Historiker sagen, dass die Eroberung der Spanier nur deshalb so schnell und erfolgreich vonstatten ging, weil ihnen das gutausgebaute Straßennetz der Inkas zur Verfügung stand. Wären sie doch nur fünfhundert Jahre später gekommen. Ihr Feldzug wäre in kläglicher Weise gescheitert..."

 

 


----------------------------------------------- Mit dem Gleitschirm über den Inka-Straßen -----------------------------------------------